Der Steinzeitcode – Reise in die Vergangenheit

Uralte Felsmalereien, -gravuren und aufwendig gestaltete Tempelfriese zeigen, das Aufblasen von Kühen hat eine jahrtausendalte Tradition. Man geht heute sogar davon aus, dass bereits die allerersten, jemals gemolken Kühe aufgepustet wurden! Ohne diese Form der Sonderbehandlung hätten die damaligen Viehhirten keinen Tropfen des begehrten Nahrungstranks aus der Kuh bekommen.

 

Das Aufpusten von Kühen ist ein Meilenstein der Menschheitsgeschichte. Denn erst durch das Melken der Kühe wurde es möglich, ein sehr hochwertiges, tierisches Nahrungsmittel zu erhalten ohne die Notwendigkeit der Tiertötung. Als dann noch die Herstellung von Käse entdeckt wurde war man sogar in der Lage tierische Nahrungsmittel aus Milch zu erzeugen, die für schlechtere Zeiten zurückgelegt werden konnten. Zudem konnte man den Käse als Reiseproviant auf die Jagd oder längere Wanderungen mitnehmen.

 

Doch wieso ließ sich die Urkuh nicht melken? Die wenige Milch, die sie nach der Geburt produzierte war nur für das eigene Kalb zur Arterhaltung vorgesehen. Der Mensch kam in diesem Szenario nicht vor! Daher war die Kuh genetisch darauf codiert, die hoch oben in den Alveolen eines Euters festsitzende Milch vor Milchdieben zu schützen und nur dann freizugeben, wenn das eigene Kalb sich am Euter sättigen wollte. Besonders problematisch wurde es, wenn das Kalb starb, von einem Raubtier gerissen oder ganz einfach geschlachtet wurde. Denn innerhalb kürzester Zeit stellte die Kuh ihre Milchproduktion bis zur nächsten Geburt wieder gänzlich ein.

 

Die Viehhirten müssen bei ihren ersten Versuchen schier verzweifelt gewesen sein, da sie es einfach nicht schafften den Code der Kuh zu knacken und die Milch aus ihr zu melken. Wie lange dabei die „Trial and Error“ Phase des Menschen andauerte ist nicht bekannt.

 

Zur Milchgewinnung braucht es zwingend eine Ausschüttung des Hormons Oxytocin in die Blutbahn der Kuh. Da die unmittelbare Anwesenheit des Menschen die Kuh jedoch unter Stress setzte, wurde die Ausschüttung von Oxytocin blockiert – aus der Kuh war kein Tropfen Milch zu melken. Wenn auch in abgeschwächter Form, ist dieses Phänomen auch heute noch jedem Milchviehhalter bekannt. Man muss die Kuh vor jedem Melken anrüsten, d.h. das Euter und die Zitzen intensiv massieren, damit Oxytocin freigesetzt wird und die Kuh letztlich gemolken werden kann.Doch dieser Berührungsreiz am Euter allein reichte bei der Urkuh nicht aus, ihr das weiße Gold zu entziehen.

 

Die Lösung?

Ein tiefer Atemzug Luft eingeblasen in die Vagina der Kuh! Es muss ein „Albert Einstein“ der Steinzeit gewesen sein der irgendwann herausfand,  dass der wahrscheinlich zuvor über Generationen hinweg unüberbrückbare Code allein mit einem einzigen Atemzug zu lösen war! Im Nachhinein betrachtet machte dieser Atemzug Luft eine Milchproduktion wie wir sie heute kennen überhaupt erst möglich!

 

Doch wie ist der Effekt zu erklären?

Beim Aufpusten der Scheide dehnt sich der Genitaltrakt des Rindes aus, ähnlich wie bei einer natürlichen Geburt. Dabei werden Rezeptoren am Scheidendach sensibilisiert, die den Ferguson Reflex auslösen. Dieser Reiz sendet ein Signal zum Hypothalamus, Oxytocin auszuschütten. Die Alveolen drücken ihre Milch durch den Oxytocinreiz in die Zitzenzisternen des Euters und die Kuh kann gemolken werden.

 

Die frohe Kunde verbreitete sich zunächst bei allen Nomadenstämmen in Afrika, gelangte aber über die Kontinente hinweg bis nach Nordeuropa. In Afrika ist die Methode der Milchgewinnung bis heute bekannt, Hirten blasen auch heute noch mit dem Mund direkt Atemluft in die Vagina der Kuh um sie zu melken!

 

Auch bei europäischen Tierhaltern war das Aufblasen von Rindern zur Milchgewinnung bekannt. Im Zuge der Erfindung und Herstellung von billigem, künstlichem Oxytocin im vergangenen Jahrhundert ging das alte Wissen jedoch mehr und mehr verloren. Nur noch wenige Tierhalter kennen heute diese Methode. In Betrieben die diese Methode heute noch oder wieder einsetzen, konnten so in vielen Fällen der Einsatz des Schlagbügels und der Einsatz von Oxytocininjektionen auf ein Minimum reduziert werden.

Erste Zeichnungen europäischer Völkerkundler um 1719

Quelle: www.alamy.de

Quelle: www.alamy.de